Uwe Friesel

  Aktuelles

Noch im März 2010 hätte ich nach Pakistan reisen sollen, zu einer englischsprachigen Konferenz "Sufism and Peace". Den Text, den ich dafür verfasst habe, können Sie hier unter "Essays (engl)" nachlesen.

Stattdessen musste ich mich leider in Hamburg einer langwierigen Untersuchung unterziehen, weil meine "Blutplättchen" (nicht etwa Blutkörper, von denen es weiße und rote gibt) sich unzulässig vermehren und kein Arzt bis dahin rausbekommen hatte, warum sie dies tun. Inzwischen bekomme ich brauchbare Medizin und habe wieder so etwas wie eine Lebenserwartung. Auch kann ich jetzt mit der Bahn fahren oder fliegen, ohne mir jedes Mal eine Spritze setzen zu müssen.

Nun aber liegen, trotz aller kriegerischen Auseinandersetzunge in der Region, die Resultate der Friedenskonferenz von Pakistan vor – ein kleines Wunder, denn die Teilnehmer hatten sich nur unter Polizeischutz vom Hotel zum Kongressgebäude bewegen können. Im Nachhinein scheint es fast so, als hätten die Taliban damals bei ihren regelmäßigen Selbstmordaktionen in Islamabad eine Pause eingelegt.

Wichtigstes Ergebnis für mich: der Plan einer neuen internationalen Schriftstellerkreuzfahrt im Herbst 2011, den der schwedische Autor Peter Curman dort vortrug und der große Resonanz fand. Es wäre die dritte Kreuzfahrt dieser Art, als deren Initiator und maßgeblicher Organisator er tätig würde. Thema auf dem Schiff: "The Role of Literature and Art in Areas of Conflict". Gemeint sind die Konflikte Pakistan-Indien, Palästina-Israel, Türkei-Griechenland (auf Zypern) und die ungeklärten, latent gefährlichen Auseinandersetzungen auf dem Balkan. Aus all diesen Krisenregionen sollen Schriftsteller und Schriftstellerinnen, aber auch bildende Künstler und Musiker mit an Bord kommen, und das Schiff soll im östlichen Mittelmeer kreuzen, also vor jenen Ländern, in denen es zur Zeit gärt oder wo sogar blutige, bürgerkriegsähnliche Auseinandersetzungen stattfinden. Sobald es nähere Einzelheiten dazu gibt, werde ich einen entsprechenden Hinweis geben und einen Link einstellen.

Doch ich fürchte, die gegenwärtigen Revolutionen in der gesamten arabischen Welt, damals keinesfalls vorherzusehen, schieben diesem Vorhaben auf absehbare Zeit einen Riegel vor. Kein Schiffseigner würde es wagen, jetzt eine derartige Kreuzfahrt zu unternehmen!

Zurück zu den Büchern: Nach der Überarbeitung von "Fahles Feuer" fürchteten wir um das Erscheinen der ADA, letzter Band der Nabokov-Gesamtausgabe von Dieter E. Zimmer, an dem ich mitgearbeitet habe. Nun ist er doch noch rechtzeitig zur Frankfurter Buchmesse 2010 herausgekommen. Näheres dazu in Zimmers Homepage, siehe Links.

Sie sehen, ein Schriftstellerleben ist abwechslungsreich.

Ende Januar 2010, mitten im Tiefkühl-Winter, waren Birgitta und ich nach Deutschland umgezogen: ein abenteuerliches Unterfangen. Das Umzugsauto ist bei Schneeverwehungen in Südschweden und Norddeutschland dreimal im Stau stecken geblieben. Mit vierzehn Stunden Verspätung kam es nachts hier an.

Nach fast vierzehn Jahren Stockholm fühlt sich die Baumkuchen- und Hansestadt Salzwedel etwas fremd an. Seit Hartz IV sind hier die Supermärkte anders organisiert: In eigens gedruckten Postwurfsendungen für jene Menschen, die ohne einen gesetzlich garantierten Mindestlohn kaum etwas zu beißen haben, werden Sonderangebote angepriesen. Hier gibt's nämlich keine Arbeit. Der Aufschwung Ost lässt weiterhin auf sich warten. Und die Leute mit einem Job müssen ständig mit Zeitmangel kämpfen, weil sie pendeln. Dabei ist das historische Salzwedel wunderschön, im Winter wie im Sommer.

Wenn die Rezession erst einmal wirklich vorbei ist – Anzeichen dafür gibt's zum Glück inzwischen – und die Industrie die Vorteile dieses Standorts endlich mal wahrnimmt, dann, da bin ich mir sicher, wird Salzwedel geradezu zu einem Magneten werden Auch für junge Leute.

Das deutsche Fernsehen ist während meiner fast fünfzehnjährigen Abwesenheit kurzatmig geworden. Magazinitis auf allen Kanälen, überwuchert von sinnloser digitaler Grafik und zerrissen von einem blödsinnigen Tempowechsel. Nur die diversen Nachrichten-Redaktionen und die Life-Sport-Kanäle sowie die wenigen Kultursender bieten wirklich Interessantes. Ansonsten gibt es viel zu viele Talk-Shows, von denen nur wenige von Belang sind. Leider entsteht dadurch unter Politikern aller Couleur ein Hang zur Telekratie: die Glotze samt Einschaltquote bestimmt das politische Handeln, nicht umgekehrt. Von Ferne erinnert dies an die Radiopropaganda von Hitler und Goebbels sowie an die Art und Weise, in der Mussolini den Film instrumentalisierte, oder auch an den Schwarzen Kanal aus DDR-Zeiten. Man hat bei solchem medialen Overkill kaum noch die Energie, sich eine eigene Meinung zu bilden. "BILD dir eine Meinung" kann es ja wohl nicht sein. So traurig es ist: Erst Erdbeben, Tsunami und Reaktor-GAU in Japan haben bei uns wieder eigenes Denken wach gerüttelt. Man darf gespannt sein, ob die Wahl-Ergebnisse in Baden Württemberg und in der Pfalz diese neue Nachdenklichkeit beweisen. Oder ob es auch in Zukunft in Deutschland bei einer von Kapital-Interessen gesteuerten Lobbypolitik wider besseres Wissen bleibt.

 

Zurück

 

 

 

 

 

 

Literarische Texte

Jugendstil (deutsch)

Art Nouveau (english)

Jugendstil (svenska)

Der dalmatinische Doppelgänger

Die Muskeltiere

Reden & Essays (deutsch)

Essays (english)


Literarische Projekte

Das Fremde in uns (deutsch)

Literarische Spaziergänge (deutsch)

...und das nächste Projekt (deutsch)

 

Sekundärliteratur

Sekundärliteratur / Reference books
und Pressestimmen / Press reviews

Home | Biografie | Bibliografie | Aktuelles | Kontakt | Links | Copyrights | Impressum

Schriftsteller / Author